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| Waldemar
Waldemar ist unser Wildschweinkeiler, der im Mai 2008 durch einen tragischen Unfall seine Familie verloren hat. Waldemar wurde kurzerhand von unserem Förster mit nach Hause genommen, wo ihn die Familie mit Ziegenmilch und Haferflocken sowie Sofa sitzen, schmusen und sonstigen Wohltaten verwöhnt und aufgepäppelt hat. Nach vier Wochen war der Kleine Waldemar schon ganz schön fit und wollte auch mal nach draußen. Als aber dann die Rabatten bei Frau Förster täglich umgegraben wurden, musste eine Lösung her. Bei Schlageter´s im Schafstall ist ja den Sommer über nichts los, dachte man sich. Und schon nach zwei Tagen hatte Waldemar sich an den Schafbock Heinz und den Schoppenmucki gewöhnt. Mit Frau Schlageter durfte er täglich raus, auf der Terrasse sitzen oder zur Wäscheleine gehen und Blumen gießen war auch mal drin. Auf der Terrasse sitzen, besonders dann wenn der Grill an war und die Feriengäste mal ein Stückchen fallen ließen, das war der Gipfel. Dann, im September große Aktion: Waldemar soll nach St. Blasien ins Wildgehege, dort wird ein Keiler gesucht der frisches Blut in die Rotte bringt. Zu Anfang sah es ganz gut aus. Aber nach drei Tagen mussten wir ihn wieder holen. Die drei Frischlinge im Wildgehege haben Waldemar so gemobbt, gebissen, gejagt über Stock und Stein, keine Minute in Ruhe gelassen. Er hat fünf Tage nur geschlafen und seine Blutergüsse und wehen Füße geleckt. Anfang November mussten dann die Schafe in den Stall. Es hat geschneit und draußen gibt es nichts mehr zu beißen. Waldemar durfte weiterhin in seinem Stall bleiben, die Schafe mussten ein bisschen zusammen rücken. Dann eine neue Überlegung, was machen wir mit Waldemar, langsam wird er groß. In Bad Säckingen gibt es auch einen Wildschweinkeiler der genauso wie Waldemar bei einer Familie groß geworden ist, also zahm ist, wie Waldemar. Dann hat uns der erneute Wintereinbruch Mitte November, mit einigen Minusgraden einen Strich durch die Rechnung gemacht. Waldemar ist den warmen Stall gewohnt und kann nun nicht von Heute auf Morgen im Wildgehege nur im Unterstand wohnen. Der Winter war sehr abwechslungsreich für Waldemar. Einmal haben wir aus Versehen die Stalltüre nicht richtig zu gemacht. Da hat Waldemar die Gunst der Stunde genutzt und einen kleinen Abstecher in den Schnee gemacht. Aber gefallen hat es ihm wohl nicht so richtig. Der Ausflug war nur kurz und Waldemar wurde bei offener Stalltür brav schlafend in seinem Stall aufgefunden. Nur die Spuren im Schnee haben ihn verraten. Dann kam die Zeit der vielen kleinen Lämmer. Weil fast alle zur selben Zeit zur Welt kamen und wir mehr Platz für die Mutterschafe brauchten, wurde Waldemar kurzer Hand umquartiert. Das gefiel Waldemar auch gut. Jetzt war er ganz nah bei den Lämmern. Diese hatten keine Angst vor ihm, im Gegenteil. Sie ließen sich von Waldemar beschnuppern und ablecken. Einmal hat er sogar Anlauf genommen und ist über den Zaun gehüpft. Mitten in den großen Schafstall. Das war eine Gaudi. Fangen spielen mit all den kleinen und großen Schafen. Gefunden haben wir ihn ganz außer Atem, umringt von staunenden großen und kleinen Schafen. In der Zwischenzeit sind die meisten Schafe draußen auf der Weide. Im Stall ist wieder Ruhe eingekehrt. Waldemar´s Nachbarn sind der Schafbock Heinz und vier Lämmer. Davon bekommen zwei ein Fläschchen weil sie die Mutter nicht angenommen hat. Außerdem hat die Ziege "Veva" zwei "Gizi" die ab und zu eine Runde durch den Stall drehen. Dann ist Waldemar immer ganz aufgeregt. Die Schafe und Ziegen sind jetzt alle auf der Weide, Waldemar ist allein. Der Stall wurde gemistet und geweißelt und Waldemar durfte einen Tag im Viehanhänger verbringen. Das war nicht ganz nach seinem Geschmack. Jetzt ist er wieder oft mit seinem Fußball beschäftigt und er lässt sich gerne kraulen. Dazu schmeißt er sich uns vor die Füße und genießt. Seinen Unmut zeigt er indem er mit seiner Schnauze und vor allem mit seinen jetzt doch so langsam größer werdenden Hauern um sich schlägt. Der Sommer is vorbei, der Herbst auch schon bald und Waldemar freut sich über Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Bucheckern, Eicheln, Kastanien, und was sonst noch so alles von den Bäumen fällt. Onkel Helmut hat dem Burschen gelernt wie man Männchen macht und dafür gibts dann frisches Obst.
Nun ist Waldemar 1 1/2 Jahre alt und nun wird er rabiat seit einigen Tagen duldet er niemand mehr in seinem Stall. Wenn wir seine Futterschüsseln rausholen wollen rennt er uns um und schlägt mit seinem Rüssel um sich. Jetzt muss eine Lösung her!
Waldemar ist der Wirtschaftskrise zum Opfer gefallen!
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